Ein aktuelles Sprachmodell übersetzt einen Produkttext flüssig und fast immer grammatisch richtig. Genau das macht die Fehler gefährlich: Sie klingen gut. Was fehlt, ist nicht Sprache, sondern Wissen über deinen Katalog. Welche Wörter Namen sind, welche Fachbegriffe, welche Felder gar nicht übersetzt werden dürfen. Wir übersetzen naturbohne.de, einen Shop für Kaffee und Siebträgermaschinen, in 19 Sprachen. Die folgenden Fehler stammen alle aus maschinellen Übersetzungen in diesem Shop, die meisten aus unseren eigenen Läufen.
| Quelle | Ergebnis | Was fehlte |
|---|---|---|
| Mondgold Decaf | Mondgold Descafeinado (spanisch) | das Wissen: das ist ein Produktname |
| Eureka Mignon Turbo | Еурека Миньон Турбо (bulgarisch) | Marke und Modell bleiben in lateinischer Schrift |
| Superkop, Elektra | Superhead, Electra | Markennamen sind keine Wörter |
| Siebträger | Sieve carrier (51 Produkte) | Fachbegriff: portafilter |
| Abschlagbox | tee box | Fachbegriff: knock box |
| Siebträger (bulgarisch) | 10 verschiedene Wörter | ein Begriff für den ganzen Shop |
| bei Venedig | near Venedig (alle 19 Sprachen) | Regel ohne Kontext: Anbaugebiet oder Stadt |
| Handfilter (schwedisch) | Handfilter | deutscher Rest, der wie ein Fachwort aussieht |
Maschinelle Übersetzungen auf naturbohne.de, gefunden zwischen 07.09. und 27.09.2026. Belege in den Regeldateien der Übersetzungsläufe und in der Auswertung vom 27.09.2026.
Irrtum 1: Die KI erkennt Namen von selbst
Sie erkennt Namen, die sie kennt. „Mondgold Decaf“ ist ein Kaffee aus unserer eigenen Rösterei, kein Begriff aus den Trainingsdaten. Für das Modell war „Decaf“ ein Wort, also wurde es übersetzt, und aus dem Produktnamen wurde auf Spanisch „Mondgold Descafeinado“. Wer im spanischen Shop nach dem Namen auf der Packung sucht, findet ihn nicht mehr.
Bei bekannten Marken passiert das Gegenteil, und es ist nicht besser. „Eureka Mignon Turbo“ kam auf Bulgarisch in kyrillischer Schrift zurück, auf Griechisch halb. „Superkop“ wurde zu „Superhead“, „Elektra“ zu „Electra“. Eine Kundin, die eine Mühle sucht, sucht den Herstellernamen, so wie er auf dem Gerät steht.
Irrtum 2: Ein gutes Modell kennt die Fachbegriffe
Es kennt die Wörter, nicht deinen Fachbereich. Ein Siebträger heißt auf Englisch „portafilter“. Maschinell übersetzt stand bei 51 Produkten „sieve carrier“, die wörtliche Übersetzung, die kein Barista benutzt. Die Abschlagbox wurde zur „tee box“, das ist ein Begriff vom Golfplatz. Beides ist grammatisch einwandfrei und fachlich falsch.
Für SEO ist das kein Schönheitsfehler. Niemand sucht nach „sieve carrier“. Eine Seite, die das Wort benutzt, das deine Kundschaft nicht sucht, wird für die Suche, die sie tatsächlich stellt, nicht gefunden.
Irrtum 3: Jede Übersetzung für sich ist gut genug
Wird Produkt für Produkt übersetzt, entscheidet die Maschine jedes Mal neu. Auf Bulgarisch stehen in unserem Shop für „Siebträger“ zehn verschiedene Wörter. Einzeln betrachtet ist keines davon völlig falsch. Zusammen machen sie Filter unbrauchbar, weil derselbe Gerätetyp unter zehn Namen läuft, und sie lassen den Shop wirken, als hätte niemand hingesehen.
Irrtum 4: Eine Regel im Prompt löst das Problem
Regeln helfen, aber nur mit dem Wissen, wofür sie gelten. Unsere Anweisung „Namen von Regionen, Farmen und Orten bleiben unverändert“ war für Anbaugebiete gedacht, damit aus einer Kooperative in Peru kein übersetzter Phantasiename wird. Das Modell hat sie auch auf „Venedig“ angewendet. Ergebnis: „near Venedig“ in allen 19 Sprachen, weil der deutsche Name der Stadt selbst schon eine Übersetzung ist.
Dasselbe gilt für Prüfungen. Unsere Suche nach deutschen Resten hat an einem Tag drei Korrekturläufe ausgelöst, für „French Press“, „Cold Brew“ und „V60“, die in jeder Sprache richtig so stehen. Umgekehrt sieht „Handfilter“ in einem schwedischen Text wie ein internationales Fachwort aus und ist doch ein deutsches Wort. Eine Regel ohne Fachwissen findet das Falsche und übersieht das Richtige.
Irrtum 5: Alles, was Text ist, wird übersetzt
Ein Shop besteht nicht nur aus Beschreibungen. In Metafeldern stehen Einheiten, Kennungen, Codes für Produktfeeds und Auszeichnungen. Werden sie übersetzt, kostet das Geld, und bei Feldern für Google Shopping kann der Wert danach nicht mehr gelesen werden. Die Frage ist also nicht nur, wie gut übersetzt wird, sondern auch, was gar nicht erst übersetzt werden darf.
Was Fachwissen konkret heißt
Bei uns sind es vier Dinge, und keines davon ist Magie:
- Eine Nie-übersetzen-Liste für Marken, Modelle und eigene Produktnamen, als Phrase statt als Einzelwort, damit „Turbo“ als Wort frei bleibt, „Mignon Turbo“ aber nicht.
- Ein Glossar mit festen Begriffspaaren je Sprache: Siebträger ist portafilter, Abschlagbox ist knock box. Einmal entschieden, überall gleich.
- Regeln mit Begründung und Grenze: Anbaugebiete bleiben, Städte mit eigenem Namen werden übersetzt.
- Eine zweite Prüfung, die dasselbe Wissen hat. Sonst meldet sie French Press als Fehler und lässt Handfilter durch.
Ein Modell übersetzt Sprache. Deinen Katalog kennt es erst, wenn du es ihm sagst.