Glotari ist aus der Übersetzungsarbeit für naturbohne.de entstanden, einen Shopify-Shop für Kaffee und Siebträgermaschinen, den wir selbst betreiben. Am 22.09.2026 fiel uns dort etwas auf, das sich in keiner Einstellung versteckt, sondern im Text: Für eine deutsche Suchanfrage zeigte Google nicht die deutsche Produktseite, sondern die Adresse unter /no-no/, mit einem Preis von 86.096 NOK. Wer so ein Ergebnis anklickt, sieht norwegische Kronen und geht. Dieser Artikel zeigt, wie es dazu kam und wie du es in deinem Shop findest, bevor Google es tut.
| Signal | Wert auf /no-no/ | Passt es? |
|---|---|---|
| Sprache im HTML (lang) | no | ja |
| hreflang | no-NO, dazu de und x-default | ja |
| canonical | die eigene norwegische Adresse | ja |
| Währung im Markup | NOK | ja |
| Titel und Beschreibung | deutsch | nein |
| Felder mit norwegischer Übersetzung | 3 | nein |
Lelit Mara X auf naturbohne.de/no-no/, Quelltext und Shopify Admin-API, 27.09.2026.
Die Technik war richtig
Der erste Verdacht war ein Fehler in den Auszeichnungen. Also haben wir 44 Seitentypen des Shops geprüft, dazu die Fassungen unter /en, /fr, /de-at, /de-ch und /no-no. Das Ergebnis: canonical, hreflang mit 102 Einträgen samt x-default und die strukturierten Daten stimmten überall.
Die norwegische Seite sagte also sauber, was sie sein wollte: eine norwegische Seite mit Preisen in Kronen. Nur ihr Inhalt war deutsch. Wo es keine Übersetzung gibt, zeigt Shopify den Text der Hauptsprache. Genau so kamen deutscher Titel und deutsche Beschreibung auf die norwegische Adresse. Von den übersetzbaren Feldern dieses Produkts hatten drei eine norwegische Fassung.
Warum Google trotzdem die falsche Seite zeigt
Google liest die Sprache nicht aus der Auszeichnung. In der Dokumentation steht es wörtlich: Google nutzt den sichtbaren Inhalt, um die Sprache einer Seite zu bestimmen, und keine Sprachangaben im Code wie das lang-Attribut, auch nicht die Adresse.
Die zweite Stelle ist für Shops mit vielen Märkten die wichtigere. Lokalisierte Fassungen einer Seite gelten laut Google nur dann als Duplikate, wenn der Hauptinhalt unübersetzt bleibt. Eine norwegische Seite mit deutschem Text ist also für Google keine norwegische Seite, sondern eine zweite deutsche. Das ist Duplicate Content, nur dass er nicht durch Kopieren entstanden ist, sondern durch eine fehlende Übersetzung. Welche von zwei gleichen Seiten gezeigt wird, entscheidet Google. In unserem Fall war es die mit den Kronen.
Daraus folgt der Schaden in beide Richtungen: Die deutsche Kundschaft landet auf der falschen Währung, und die norwegische bekommt einen Text, den sie nicht lesen will. Die hreflang-Angaben können daran nichts ändern, denn sie beschreiben Fassungen, die es inhaltlich gar nicht gibt.
Was das für KI-Antworten heißt
Wie ChatGPT, Perplexity oder die KI-Übersichten bei Google mit genau so einer Seite umgehen, haben wir nicht gemessen. Was folgt, ist Ableitung und keine Messung.
Diese Dienste bauen Antworten aus Seiten, die sie abrufen, und sie arbeiten mit dem Text, den sie dort finden. Eine Seite, die sich als norwegisch ausgibt und deutsch spricht, ist für eine norwegische Frage ein schwacher Beleg, und für eine deutsche Frage konkurriert sie mit deiner eigenen deutschen Seite, nur mit der falschen Währung. Wird sie zitiert, wird der Preis in Kronen zitiert. Für die Sichtbarkeit in KI-Antworten gilt deshalb dasselbe wie für Google: Entscheidend ist, was auf der Seite steht, nicht was im Kopf der Seite behauptet wird.
Wie du es in deinem Shop findest
Vier Prüfungen, keine davon braucht ein Werkzeug, das du nicht schon hast:
- Eine Stichprobe je Land: Öffne pro Länderadresse eine Produktseite und vergleiche die angekündigte Sprache mit Titel und erstem Absatz. Eine Sprache, die im Shop aktiv ist, ist damit noch nicht übersetzt.
- Felder zählen, nicht Sprachen: Titel, Beschreibung, SEO-Titel, Meta-Beschreibung, Variantennamen, Metafelder und Bildtexte sind eigene Felder. Eine Seite ist erst übersetzt, wenn alle, die sichtbar werden, übersetzt sind.
- Veraltete Übersetzungen mitzählen: Ändert sich der Ausgangstext, bleibt die alte Übersetzung stehen. Sie ist dann nicht leer, aber falsch.
- Lieber keine Länderadresse als eine halbe: Kannst du eine Sprache nicht vollständig pflegen, nimm sie aus dem Markt, statt eine eigene Adresse mit Text der Hauptsprache zu veröffentlichen.
Was wir daraus gemacht haben
Auf naturbohne.de laufen die fehlenden Felder jetzt Sprache für Sprache nach, zuerst dort, wo die meisten offen sind. Die Prüfung der Auszeichnungen ist als Skript geblieben und läuft nach jeder größeren Änderung erneut, damit ein Fehler dort nicht mit einem Fehler im Text verwechselt wird.
Die Auszeichnung sagt, was eine Seite sein will. Der Text entscheidet, was sie ist.